Was ist ein LMS?

Annette Bouzo (CELM)

LMS-Definition – einfach, klar und eindeutig?

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Im Zeitalter von Digitalisierung mit zunehmendem Wettbewerbsdruck, erklärungsbedürftigen Produkten, hohen Erwartungen sowohl von Kunden als auch von den eigenen Mitarbeitern sowie strengen und verbindlichen gesetzlichen Vorgaben ist die Komplexität der Themen und die Vielzahl der oftmals betroffenen Stakeholder ohne passende Software-Unterstützung in der Regel nicht zu bewältigen. Im Bereich ‚Corporate Learning‘ stellen Learning Management Systeme deshalb noch immer die zentrale Infrastruktur für die Organisation und Verwaltung von Lernen in Unternehmen dar. Doch die Suche nach einem geeigneten System erweist sich oftmals als schwierig, nicht zuletzt dadurch, dass es für die zahlreichen Softwarelösungen keine einheitliche Nomenklatur gibt. Software-Hersteller haben nicht selten kein Interesse an einer eindeutigen Klärung. Daher wird der Begriff LMS oft in ähnlich irreführendem Kontext verwendet, wie der Begriff ‚Platzangst‘ in Verbindung mit engen Räumen. Doch was ist ein LMS eigentlich?

Wikipedia, welches explizit NICHT als wissenschaftliche Quelle gilt, liefert zum Einstieg folgende Definitionen:

„Eine Lernplattform bzw. Learning Management System (LMS) ist ein komplexes Content-Management-System, das der Bereitstellung von Lerninhalten und der Organisation von Lernvorgängen dient. Aufgabe einer web-basierten Lernumgebung ist, die Kommunikation zwischen Lernenden und Lehrenden zu ermöglichen. Sie fungiert als Schnittstelle zwischen Bildungsanbieter und lernender Person. Nicht darunter fallen Bildungsinhalte, die über das Internet angeboten werden, wie die üblichen Webpräsenzen oder -portale. Vorteile einer Lernplattform sind Entlastung im Lehrbetrieb, die Regelung des Informationsflusses, Vereinfachung des Lernens und Übernahme zahlreicher Verwaltungsaufgaben.“

Lernplattform = LMS?

Das synonym verwendete Wort Lernplattform wird folgendermaßen erklärt:

„Unter dem Begriff Lernplattform bzw. Learning Management System (LMS) versteht man ein Softwaresystem, das unter einer zentralen Oberfläche mehrere aufgabenspezifische Teilprogramme integriert, mit denen verschiedene Lernszenarien unterstützt werden. Ausgehend vom ursprünglichen E-Learning-Ansatz hat sich der Konsens entwickelt, dass das sogenannte Blended Learning die Lernaktivitäten der meisten Anwender am besten unterstützt, weswegen aktuell die meisten LMS diesen Ansatz verfolgen. Gemeinsam ist all diesen Lernumgebungen, dass sie Werkzeuge zur Erstellung, Kommunikation und Verwaltung von Lerninhalten, sowie zur Koordination von web-basierten Lernangeboten und zur Beurteilung der Lernenden enthalten."

Geht man von diesen Definitionen aus, so ergeben sich folgende erste Erkenntnisse. Zum einen werden bei Wikipedia die beiden Begriffe Lernplattform und Learning Management System (LMS) als Synonyme benutzt. Darüber hinaus handelt es sich demnach bei LMS um eine Software, die im Kern als Schnittstelle zwischen Lehrenden und Lernenden fungiert und Organisation von Lernvorgängen unterstützt. Als typische Funktionen werden Werkzeuge zur Erstellung von Inhalten, Kommunikation und Verwaltung von Lerninhalten, Koordination von Lernangeboten sowie die Beurteilung der Lernenden genannt.

LMS = Ansichtssache?

Diese Beispiele zeigen, wie schwierig es ist eine allgemeingültige Definition für LMS zu finden bzw. aufzustellen. Selbst bei der Aufzählung der Funktionen gibt es scheinbar deutliche Unterschiede. Gehört Fakturierung wirklich zu den Haupteigenschaften eines LMS? Wie sieht es bei dem Veranstaltungsmanagement aus? Es stimmt zwar, dass mittlerweile viele LMS auch das Management von Präsenzveranstaltungen allen voran im Kontext von Blended Learning ermöglichen, doch ist diese Funktion bei weitem nicht in allen Systemen präsent, die auf dem Markt als LMS verfügbar sind. Gleiches gilt auch für die Kommunikationsmethoden wie Chats oder Foren. Auch hier gilt, dass viele LMS mittlerweile unter dem Buzzword „Social Learning“ Foren, Chats, Blogs, Wikis und ähnliches integriert haben, doch sind diese Tools bei weitem nicht in allen LMS präsent und es gibt berechtigte Zweifel, ob sie überhaupt zu den Grundfunktionen eines LMS gehören.

Die Definition von Wikipedia wirft weitere Fragen auf: ist der Begriff Lernplattform wirklich ein Synonym für das Learning Management System? Möglicherweise ist der Begriff Lernplattform der unschärfste und am willkürlichsten verwendete Begriff. Es stimmt zwar, dass Lernplattform und LMS im Sprachgebrauch gerne als austauschbare Begriffe verwendet werden, jedoch kann eine Lernplattform auch nur ein Portal mit Lerninhalten im Internet darstellen, welches in seinen Funktionen bei weitem nicht mehr mit einem LMS zu vergleichen ist.

Lernplattform, das bessere LMS?

Als Lernplattform wird jedoch oft jede Art Portal bezeichnet, die Lerninhalte, vielleicht auch nur Schulungskataloge, darstellt. Das gleiche gilt für unternehmensinterne Social Media-Anwendungen, Kollaborationstools, wie Webinar-Software (virtueller Klassenraum). Bei einem derart strapazierfähigen Begriff lohnt sich genaues Nachfragen, um Missverständnisse zu vermeiden. Klar ist, dass eine Social Media-Anwendung oder ein virtueller Klassenraum keine übergreifende, koordinierende Rolle im Gesamtsystem haben, sondern bei entsprechendem Bedarf wichtige Lernformate sind. Diese können als Bestandteile (Subsysteme) integriert oder über Schnittstellen an das LMS angebunden sein.

Auf dem Markt sind unter dem Begriff Lernplattform auch strikt themengebundene, gewerbliche Portale zu finden, die unternehmensunabhängig bestimmte standardisierte Lerninhalte anbieten. Dies können Inhalte für einzelne Interessengruppen sein. Dieser heterogene Markt bietet eine Vielzahl in Qualität und Aktualität stark schwankende Angebote für das Erlernen von z. B. Sicherheitsbestimmungen, Vorbereitung auf Führerschein- und IHK-Prüfungen. Diese sind eigenständige Geschäftsmodelle, ähnlich einer Leihbücherei. Sie haben mit einem Learning Management System in eigentlichen Sinne nichts zu tun, da ihnen keine echte Integration in die Prozess- und Lernlandschaft des Unternehmens erfolgt.

Dauertrend: Blended Learning

Wieso wird in der Charakterisierung für LMS auf Blended Learning eingegangen? Der Grund hierfür dürfte schlicht in der Historie zu finden sein: Der Hype der Nullerjahre um das Web 2.0 und die damalige Begeisterung um WBTs und Elearning, das damals als billiges Allheilmittel für Schulungsherausforderungen aller Art gehandelt wurde ist abgeflaut. Elearning hat das damals vorherrschende Präsenztraining nicht abgelöst. Die Prognose, dass auch informelles Lernen, nicht andere Trainingsformen ersetzen wird dürfte realistisch sein. Vielmehr dürfte künftig mit einem Mehr an ausgewogenen, individuellen Lernpfaden und ein zielgruppen- und objektoptimierter Medien und Formaten gerechnet werden, kurz mit vielschichtigen, komplexeren Lernszenarien. Dafür sind Learning Management Systeme unabdingbar.

All Inclusive LMS?

Haben wirklich alle Learning Management Systeme ein Werkzeug zur Erstellung von Lerninhalten integriert, wie es in der Definition von Wikipedia nahegelegt wird und vor allem, ist dies sinnvoll? Bei dem Thema integriertes Autorentool bzw. ein Werkzeug zur Erstellung von Lerninhalten ergeben sich die gleichen Einwände, wie bereits bei der der Unterstützung von Blended Learning – Konzepten und Kollaborationstools. Es stimmt zwar, dass die Eigenproduktion von Lerneinheiten gerade im Kontext von Unternehmen mittlerweile eine wichtige Rolle in den Trainingsstrategien einnimmt, jedoch stellen LMS mit integrierten Autorensystemen eher eine Minderheit dar.

Der Bedarf von Unternehmen an Autorentools ist extrem unterschiedlich. Da sind zum einen Unternehmen, die mit standardisierten elektronischen Inhalten wunderbar zurechtkommen und so vergleichsweise kostengünstig schulen. Eine weitere Gruppe sieht überhaupt keinen Bedarf an Elearning-Produkten, weil entweder die Thematik elektronisch nicht abgebildet wird, die Trainingsphilosophie dem entgegensteht oder die Zielgruppe damit nicht erreicht wird.

Andere, auch international agierende Unternehmen, welche Elearningformate verwenden, sind eventuell an bestimmte Darstellungsformen gebunden oder arbeiten dauerhaft mit einer internen oder externen Agentur, so dass ein im LMS integriertes Autorentool zwar vorhanden ist, aber nicht genutzt wird.

Wann ist ein ins LMS integriertes Autorentool sinnvoll?

Letztendlich gibt es selbstverständlich auch eine Interessentengruppe, für die die Funktionen eines integrierten Autorentools von großer Bedeutung sind. Hat ein LMS jedoch ein Autorentool oder einen Testgenerator integriert, stellt sich die Frage, ob die angebotenen Funktionen wirklich ausreichend sind, damit Lerninhalte für unterschiedlichste Zwecke und Zielgruppen erstellt werden können. Gerade auch im Hinblick auf zukünftige Entwicklungen sollte sorgfältig und individuell die Eignung einer integrierten Lösung geprüft werden. Denn im Hinblick auf die Zukunft kann kein LMS Hersteller garantieren, dass gerade sein Autorentool flexibel genug ist auch zukünftige Medienformate unterstützen zu können.

Stellt das Thema Autorentool ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl dar, kann es auch sinnvoll sein, sich für ein separates, externes Autorentool zu entscheiden und ein LMS zu wählen, welche die jeweiligen Formate unabhängig ausspielt. Moderne Learning Management Systeme können die Produkte unterschiedlichster Autorentools, typischerweise WBTs, herstellerunabhängig einbinden und dem Lerner zur Verfügung stellen. Relevant ist hierbei für den Lernenden, dass eventuell benötigte Zusatzprogramme wie ein Mediaplayer oder ein pdf-Reader vorhanden sind, um die Inhalte auf der Elearning-Plattform oder im Mitarbeiterportal zu starten, zu lesen oder bearbeiten zu können. Für den Lerner spielt es kaum eine Rolle, auf welchem Laufwerk oder welchem Serverbereich das Produkt des Autorentools physisch liegt. Das Learning Management System kennt den richtigen Pfad in der Systemlandschaft und verwaltet die Aufrufberechtigungen gemäß den Vorgaben. Dies können z. B. vorausgesetzte Qualifikationen (Testergebnisse) sein, ein bestimmtes Zeitfenster oder eine bestimmte Rolle im Unternehmen. 

Ein integriertes Autorentool stellt also in der Regel keinen entscheidenden Faktor bei der Kaufentscheidung dar. Anderen Faktoren wie Flexibilität und Zukunftssicherheit wird typischerweise eine höhere Gewichtung beigemessen. Letztendlich ergibt sich daraus, dass Autorentools nicht zu den Grundfunktionen eines LMS gehören. Dies ist auch das Ergebnis einer Vergleichsstudie von Brandon Hall, welche sich mit Learning Management Systemen befasst:

It usually does not include its own authoring capabilities; instead it focuses on managing courses created from a variety of sources“ (Hall, 2001, S. 533).

Dito Kollaborationsplattform!

Die gleiche Argumentation trifft auch auf Kollaborationsplattformen, Virtuelle Klassenzimmer etc. zu. Natürlich kann eine digitale Bildungslandschaft auch Plattformen für Kollaboration wie z. B. Webinarsoftware oder Social Media Elementen anbieten. Diese können über Schnittstellen mit dem Learning Management System verknüpft werden oder fest integriert sein.

Ebenso kann ein Virtual Classroom, eine Webinar- oder Konferenz-Software unabhängig vom LMS als Stand-Alone-Lösung eingesetzt werden, wenn darüber beispielsweise generell die Kommunikation im Unternehmen erfolgt. Dies kann aber einen Medienbruch darstellen, wenn auf Wirtschaftlichkeit mittels IT-gestützter Lernprozesse Wert gelegt wird.

Schnittstellen für zukunftsfähige Flexibilität!

Ferner ist zu beachten, dass die erhältliche Webinarsoftware wie z. B. Adobe Connect oder BigBlueBell sich in Kosten, Funktions- und Leistungsspektrum erheblich voneinander unterscheiden und somit nicht für jedes Unternehmen gleichermaßen geeignet sind. Problematisch ist das Zusammenspiel erst dann, wenn bestimmte Formate fehlerhaft sind oder gar nicht weiterentwickelt werden (Vendor-LockIn).

Hier muss dann die IT-Abteilung mit den Herstellern kommunizieren und herausfinden, ob z.B. die Konferenz-Software komplett ausgetauscht werden muss oder eine Neukonfiguration, ein Software-Update oder ein Workaround Abhilfe schafft.

Gemeinhin ist es einfacher einzelne Teile zu ersetzen oder auszutauschen, als ein Gesamtsystem. Schnittstellen für den Austausch unterschiedlicher Datenformate sind die flexible, zukunftsfähige Lösung.

Lerninhalte, Methodik und Didaktik von Inhalten sind also keine LMS-Themen. Lernbedarfe sind hochindividuell. Je nach Zielgruppe, Einsatzbereich, Lernziel sind unterschiedliche Medien und Formate sinnvoll. Hierbei handelt es sich um die Domäne der Pädagogen, Trainer und Didaktiker.

Die Perspektive des LMS Anwenders

Auch die Berechnungsgrundlage für Softwarelizenzen bietet Anlass zur Diskussion. Oft orientieren sich die Kosten an der Anzahl der Nutzerzahlen in der Datenbank. Doch wer sind eigentlich diese Nutzer, die auch User oder Anwender genannt werden?

Tatsächlich werden mit dem Wort Nutzer oft die Lernenden gemeint. Das mehrwertstiftende Funktionsspektrum eines LMS wird allerdings vor allem von den Trainingsadministratoren, also z. B. der Akademie oder der Personalentwicklung genutzt, weswegen diese auch als Kernnutzer gelten. Doch werden Gründen der Effektivität oft auch Funktionsbündel an Führungskräfte oder Trainer delegiert. Diesen ‚Nebennutzern‘ stehen in ihren gesicherten Trainingsportalen typischerweise bestimmte Ausschnitt des LMS zur Verfügung, mit denen Sie Qualifikationen bestätigen, Genehmigungs- oder Buchungsprozesse anstoßen oder den Lernstatus ihres Teams verfolgen können.

Was ist relevant für den Lernenden?

Der Lernende kommt mit dem Learning Management System nur auf Portalebene in Berührung, wenn er Lerninhalte oder seine Historie abruft, Kurse bucht oder Feedbackbögen ausfüllt. Hier ist die grafische Oberfläche in einer einfachen Benutzbarkeit (Usability) von großer Bedeutung.

Dieses Layout ist jedoch nicht die Aufgabe des Learning Management Systems, sondern abhängig von Corporate Design, dem Content Management System, den eingesetzten didaktischen Lernmedien und deren Darstellungsmöglichkeiten.

Dem Lerner muss dabei nicht einmal auffallen, dass er sich auf unterschiedlichen Oberflächen bewegt. SingleSignOn bietet dem Lernenden die Möglichkeit sich nahtlos im Intranet, seinem persönlichen Mitarbeiterportal und auf der Lernplattform zu bewegen, ohne dass ihm die Systemunterschiede notwendigerweise auffallen. Durchgängig einheitlich gestaltete Oberflächen lassen die Frage auf welcher Plattform man sich befindet, ob man auf interne oder externe Anwendungen zugreift, oft gar nicht aufkommen. Für den Lerner ist es irrelevant, ob das WBT ‚physisch‘ auf dem eigenen Server liegt, oder er sich auf einem externen Rechenzentrum bewegt.

Webbasiertes LMS?

'Webbasiert' bedeutet aus Anwendersicht, dass der Aufruf des LMS über einen Browser wie Mozilla, Internet Explorer o.ä erfolgt. Das Programm ist nicht am eigenen Rechner installiert, sondern entweder auf dem Server des eigenen Unternehmens oder in einem geleasten Rechenzentrums eines externen (dritten) Anbieters.

Die Entscheidung, ob das LMS in der eigenen Rechnerlandschaft gewartet wird oder ob ein externes Rechenzentrum das System hostet, ist eine Frage der IT-Richtlinien, der Sicherheits- oder Unternehmenspolitik, hat aber keinen Einfluss auf den individuellen Lernprozess. Das gleiche gilt auch für die Frage ob die Softwarelizenzen gekauft oder geleast (SaaS) werden.

LMS Sicherheit

Typischerweise möchten Unternehmen ihre Lerninhalte natürlich in geschützten Bereichen, also im Intranet oder passwortgeschützten Portalen wissen. Produktwissen, interne Prozessunterweisungen stellen wettbewerbsrelevante Informationen dar und müssen daher nachvollziehbarerweise geschützt werden.

WBTs können theoretisch auch vollkommen ungeschützt auf einer beliebigen Website durch einen Link aufgerufen werden, ohne dass eine separate Elearning-Plattform bemüht wird. Sind Nachweissicherheit z.B. bei Compliance- und Security-Themen relevant, so ist ein LMS mit entsprechenden Funktionen unumgänglich. Eine E(!)Learning-Plattform – im Gegensatz zum oft verwendeten Begriff Lernplattform - ermöglicht dies bei SCORM- oder AICC-fähigen Inhalten.

LMS im Unternehmen

Unterschiedliche Organisationsformen wie Hochschulen, Forschung und Entwicklung sowie Unternehmen haben unterschiedliche Zielsetzungen an ihre Lernprozesse definiert. Daraus ergeben sich unterschiedliche Anforderungen an die jeweils benötigte Software-Unterstützung, sei es administrativ, medial oder inhaltlich. Auch die Anzahl der Lernenden, die Komplexität der Inhalte, die Verbindlichkeit eines bestimmten Wissenserwerbs oder Optionen spielen eine große Rolle.

Allerdings gibt es bestimmte Funktionen, die übergreifend und allgemeingültig zu den Grundfunktionen eines LMS zu gehören scheinen, wie etwa das Lerner-/Usermanagement, die Administration von Kursdaten, Zuweisung elektronischer Lerneinheiten und Rechten für definierbare Zielgruppen sowie Auswertungen. Dabei scheint es sich um Funktionen zu handeln, die, unabhängig von einer bestimmten Definition oder einem bestimmten Produkt, Bestandteil der Software sein müssen, damit diese als ein LMS klassifiziert werden kann. Doch gibt es überhaupt eine allgemeingültige Definition für LMS? Und wie könnte eine solche Definition aussehen?

Anforderungen an LMS

Ein modernes Learning Management System muss sich flexibel anpassen lassen um die abzubildenden Prozesse sinnvoll zu unterstützen und Entwicklungen zu dokumentieren. Dies gilt insbesondere für die individuelle Zuweisung von Rechten und die daraus resultierende Nutzung von Funktionspaketen für unterschiedliche Zielgruppen wie Trainer und Führungskräfte.

Aufgrund ihrer wirtschaftlichen Ausrichtung und branchenrelevanten gesetzlichen Vorgaben (z.B. Compliance) herrschen in Unternehmen oft formalere Lernprozesse vor, als an Hochschulen oder im Forschungsbereich. Dabei haben sich bestimmte Funktionen herauskristallisiert, die für Learning Management Systeme in der Wirtschaft besonders relevant sind:

  • Seminarverwaltung
  • Qualifizierungsmanagement (verwandt bzw. auch komplementär verwendet: Kompetenzmanagement, Talent- und Zertifizierungsmanagement, Bildungskampagnen)
  • Individuelle Portalzugänge für unterschiedliche Interessengruppen (Mitarbeiter, Fachhändler, Trainer, Führungskräfte, Trainingsadministratoren…)
  • Qualitätssicherung und Reporting:  Feedback, Trainingsstatistiken, Auswertungen, Gap-Analysen…)
  • ggfs.: Kollaborationsplattformen und andere Medien (Webinar-Software, Social Media…)
  • ggfs.: Elearning-Plattform

Diese integrativen Bestandteile können in ihrer Bedeutung für Unternehmen individuell unterschiedlich gewichtet werden. Sie müssen in ihrer Konfiguration und ihrem Einsatz zum Unternehmensbedarf passen und sich auch an zukünftige Entwicklungen anpassen lassen.

Fazit: Schwerpunkt Management

Unsere (Unternehmens-) Umwelt wird komplexer. Steigende Anforderungen an den Servicebereich, Digitalisierung und Fachkräftemangel sind nur einige der Faktoren, welche professionellem Lernen im Unternehmen immer mehr Bedeutung verleihen. Im Rahmen der Digitalisierung geht die Bedeutung von Software noch weiter. In digitalen Unternehmen ist aber das gesamte Geschäftsmodell um Informationstechnologie herum aufgebaut. IT wird zum unentbehrlichen und integralen Kernbestandteil des Business (Werth, 2016, S. 191). Diesen Ansatz auf jede Branche und jeden Unternehmensteil Unternehmen zu übertragen, würde zu weit führen. Allerdings sind viele Aspekte auf betriebliche Lern- und Leistungsprozesse übertragbar oder bieten Optimierungsansätze.

Die Vielfalt der Einzelelemente, deren Ausprägungen und Wirkungszusammenhänge mit ihren Wechselwirkungen sind so komplex, dass Software-Unterstützung unabdinglich ist, um Entwicklungen und Lernprozesse noch zielgerichtet begleiten zu können.

Definition LMS

In einem Unternehmen ist ein LMS ist die führende Software, mit der professionelle Lernprozesse systematisch verwaltet, strukturiert, organisiert und (teil-) automatisiert abgewickelt werden.

Wichtig ist also vielmehr, dass das LMS die daraus resultierenden unterschiedlichen Anforderungen an die Administration von Qualifizierungsprogrammen und Bildungskampagnen abdecken kann. Im einfachsten Fall müssen Einzelkomponenten wie z. B. Präsenzveranstaltungen mit Metadaten wie Voraussetzungen, Zeit, Ort und Namen (Teilnehmer, Trainer) versehen und die reibungslose Organisation unterstützen, erreichte Qualifikationen dokumentieren und zu einem Bildungsprofil in Zusammenhang bringen.

Der Mehrwert eines LMS wird dann besonders deutlich, wenn es gilt, innerhalb von Bildungskampagnen vielen tausend Teilnehmern zeitgerecht individuelle Lernpfade zu zuweisen und die Durchführung zu gewährleisten. Bei Qualifizierungsprogrammen innerhalb von komplexen Organisationskonstrukten muss das LMS die unterschiedlichen Ebenen abstrahieren und auswerten können.

Dabei sind bestimmte Funktionalitäten unabdingbar:

  • Trainingsadministration
  • Qualifikationsmanagement
  • Kommunikationsunterstützung
  • Reporting

Welche Bestandteile das optimale LMS darüber hinaus benötigt wird, bleibt der Trainingsstrategie und dem Bedarf des Unternehmens bzw. der Hochschule geschuldet.

Ein LMS ist nicht notwendigerweise ein in sich abgeschlossenes Produkt, das ‚am Stück‘ erworben und implementiert wird. Gerade um Flexibilität und Zukunftssicherheit zu bewahren empfehlen sich flexibel konfigurierbare Softwarekomponenten, die durch modulare, integrationsfähige Komponenten erweitert oder über Schnittstellen in die Systemlandschaft eingebettet werden. Neben dem Funktionsumfang für Qualifizierungsprozesse sind die durchgehende Prozessunterstützung und der mögliche Integrationsgrad in die Systemlandschaft die signifikanten Merkmale, welche den Mehrwert eines Learning Management Systems ausmachen.

In Anbetracht der wenig hilfreichen, sich überlappenden oder unprofessionell verwendeten Begrifflichkeiten ist es dringend notwendig, sich sorgfältig mit den eigenen Anforderungen auseinanderzusetzen und unterschiedliche Optionen zu erwägen.

Mehr als ein Learning System!

Der Schwerpunkt eines Learning Management Systems muss entsprechend notwendigerweise auf der Bedeutung des Wortes ‚Management‘ liegen, also dem zielgerichtet koordinierenden Funktionspaket. Ansonsten wäre der Begriff ‚Learning System‘ mehr als ausreichend.

Kommunikationsmethoden und -Werkzeuge, die von Schulmeister als notwendiger Bestandteil eines LMS vorausgesetzt werden, nehmen nicht Bezug auf die Kollaborationsmittel und verwendeten Lernmedien der Lernenden. Diese sind integrale Bestandteile der genannten Medien. Die erwähnten Kommunikationsmethoden und -werkzeuge beziehen sich sinnvollerweise auf die Schulungsorganisation, konkret auf die Korrespondenz und den Informationsaustausch zwischen Schulungszentrum, Teilnehmern, Trainern und ggfs. Führungskräften oder weiteren involvierten Parteien. Was sich hier standardisiert abwickeln lässt, wie Einladungen, Rechnungen, Genehmigungen, Zertifikate und Erinnerungen kann auch terminbezogen automatisiert werden.

Im Zeitalter der Digitalisierung scheint eine flexiblere Zuweisung feingranularer Rechte, flexibel definierbarer Rollen und kontinuierliche Aktualisierung von Prozessen angemessener, um den Ansprüchen unserer zunehmend agilen (Unternehmens-) Umwelt gerecht zu werden.

Besonders der Integration des Learning Management Systems in die Softwarelandschaft des Unternehmens kommt dabei erhöhte Bedeutung zu, damit ein ganzheitliches, aktuelles Informationssystem entsteht. Dabei soll die Software wirtschaftlich gemäß der IT-Richtlinien und jeweiligen Sicherheitsbestimmungen von der Unternehmens-IT oder dem Dienstleister gewartet werden können.

Es kann sinnvoll sein von digitalen Bildungslandschaften zu sprechen, wenn von der Gesamtheit der IT-gestützten Lernprozesse die Rede ist.

Kernfrage: Wozu dient ein LMS?

Software, konkret auch das LMS, hat dabei die Aufgabe Prozesse da, wo es sinnvoll und wirtschaftlich ist, zu automatisieren, die Daten und Informationen ohne Medienbrüche rechtzeitig, vollständig und sicher an die berechtigten Stellen weiterzuleiten und die Anwender von Routinetätigkeiten zu entlasten. Gemeinhin wird Software, also auch ein Learning Management System, als Rationalisierungsinstrument gesehen. Vielschichtige und komplexe Prozesse im Corporate Learning werden durch ein LMS zunehmend transparent und evaluierbar.

Text zum gratis Download (.pdf)

Der Artikel, der im November 2017 im Elearning-Journal erschienen ist steht Ihnen hier gratis zum Download zur Verfügung.

Literatur

Bleicher K.: Das Konzept Integriertes Management: Visionen, Missionen, Programme, 8. Aufl., Frankfurt a. M. 2011.

Hall B.: Learning Management Systems: How to choose the Right System for your Organization, Sunnyvale (CA) 2001.

Forrester, J.W.: Industrial Dynamics, Cambridge 1971.

Hummel, T.R. / Zander, E.: Unternehmensführung, 2. Aufl., Stuttgart, 2008.

Scheer, A. / Wachter, C.: Digitale Bildungslandschaften, Saarbrücken, 2016.

Schulmeister, R.: Lernplattformen für das virtuelle Lernen: Evaluation und Didaktik, München, Wien, Oldenburg, 2003.

Staehle, W. H.: Eine verhaltenswissenschaftliche Perspektive, 8. Aufl., München 1999.

Steinmann, H. / Schreyögg, G.; Management; Grundlagen der Unternehmensführung: Konzepte, Funktionen, Fallstudien, 6. Aufl., Wiesbaden 2005.

Ulrich, H.: Die Unternehmung als produktives, soziales System: Grundlagen der allgemeinen Unternehmenslehre, Bern 2001.

Ulrich, H. / Probst, G.J.B.: Anleitung zum ganzheitlichen Denken und Handeln: Ein Brevier für Führungskräfte, Bern 2001.

Werth, D: Educating digital leadership: Zur Frage der Weiterbildung von digitalen Führungskräften, in Scheer, A. / Wachter, C.: Digitale Bildungslandschaften, Saarbrücken, 2016.

Kundenstimmen

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    Die act-Academy (ehemalige Siemens Academy) bietet praxisorientierte Ausbildungen und Dienstleistungen im gesamten IT-Umfeld an. Seit über 25 Jahren steht für die Trainingsfirma der Kunde im Mittelpunkt. Dazu bietet der TCmanager® die optimale Unterstützung. Sämtliche Prozesse und Arbeitsabläufe, wie Kursplanung, Anmeldewesen, Kontaktverwaltung, Web-Präsenz, Marketingaktionen und Projektüberwachung werden mit Begeisterung mit dem TCmanager abgewickelt. Zusätzlich zu erwähnen ist der hervorragende Support der Firma SoftDeCC.

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    Peter Froeschl, Prokurist und Manager Business Group Training, Arrow ECS AG